WALA Pflanzenarchiv
Bitterorange

Wissenswertes

Der Name Orange geht ursprünglich auf das dravidische, aus Südasien stammende Wort „naram“ zurück, das sich über Sanskrit „naranga“, Farsi „nareng“ = von Elefanten bevorzugt, arabisch „narandsch“ zum spanischen „naranja“ entwickelt hat. Die Farbe orange ist also nach der Frucht benannt. Der wissenschaftliche Namenszusatz aurantium geht auf das lateinische aurum = Gold zurück und bezeichnet die Farbe der Frucht. Der Begriff Pomeranze wiederum ist aus dem lateinischen pomum aurantium = goldener Apfel abgeleitet.
Neroliöl soll der Legende nach seinen Namen von der sizilianischen Prinzessin Nerola erhalten haben. Sie habe während der Renaissance, im 17. Jahrhundert, in der italienischen Stadt Nerola gelebt und den Neroliduft so sehr geliebt, dass sie sich damit sogar das Handschuhleder parfumieren ließ, heißt es.
Die Bitterorange ist aus einer Kreuzung von Mandarine (Citrus reticulata) und Pampelmuse (Citrus maxima) entstanden. Die Araber brachten die Pflanze über die Seidenstraße nach Westen, bereits im Jahr 1002 gab es Bitterorangenanpflanzungen auf Sizilien. Je weiter nach Norden die Bitterorangen gelangten, umso problematischer wurde das Klima für die frostempfindlichen Bäume. Im Barock ließen deshalb die Fürsten Orangerien bauen, große Gewächshäuser für verschiedene Zitrusfrüchte, in denen auch die Bitterorange kultiviert wurde. Nach Einfuhr der süßen Orange verlor die Pomeranze allerdings ihre Beliebtheit und wurde oftmals nur noch als robuste Propfunterlage für andere Zitrusfrüchte verwendet, also als kräftiger Stamm, auf dem Äste anderer Zitrussorten aufgepfropft wachsen.
Die berühmte „James Keiller & Son Dundee Orange Marmalade“ entstand gegen Ende des 18. Jahrhunderts quasi aus einer Not heraus. Damals musste ein spanisches Handelsschiff aus Sevilla im schottischen Dundee anlegen, weil ein aufkommender Sturm die Weiterfahrt verhinderte. An Bord lagerten nicht mehr ganz frische Bitterorangen, die die Bordbesatzung deshalb für wenig Geld verkaufte. Der Käufer, John Keiller, übergab sie seiner Frau Janet (1735-1813), die sie klein geschnitten mit sehr viel Zucker verkochte, weil die Früchte roh ungenießbar waren. Das Ergebnis war die erste Orangenmarmelade, die Janet Keiller in ihrem Süßwarenladen mit so großem Erfolg verkaufte, dass die Keillers 1797 in Dundee die erste Marmeladenmanufaktur der Welt begründeten. Sie benannten sie nach ihrem Sohn James Keiller. Dass die Bitterorangenmarmelade sich insbesondere auf den britischen Inseln großer Beliebtheit erfreut, liegt womöglich an ihrer verdauungsfördernden Wirkung, die das deftige englische Frühstück aus Speck und Eiern bekömmlicher macht.