Den wissenschaftlichen Namen Copernicia erhielt die Carnaubapalme zu Ehren des berühmten Astronomen Nikolaus Kopernikus (1473-1543). Der Zusatz prunifera setzt sich aus lateinisch prunum = Pflaume und -fer = tragend zusammen und beschreibt die Früchte der Palme.
In ihrer Heimat Brasilien heißt die Carnaubapalme auch Carnaúbeira.
Vor etwa 300 Jahren lernten spanische Jesuiten im Nordosten Brasiliens die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten der Carnaubapalme von den einheimischen Tremembé-Indianern kennen, die diese Palme als Baum der Weisheit bezeichneten. Wurzelzubereitungen helfen gegen Entzündungen. Die kirschgroßen Früchte sind ein gutes Tierfutter und ergeben gekocht und gemahlen eine Art Kaffeeersatz. Die Sprossen schmecken als Gemüse, das Mark ergibt ein stärkereiches Mehl, aus dem Marksaft lässt sich Palmsirup und daraus eine Art Wein und Weinessig gewinnen. Das harte Holz ist ein haltbarer Baustoff und hochwertiges Furnier, die Blattfasern ergeben Tauwerk, Matten und Hüte und die Blätter Dachbedeckungen und Hängematten.
Das Wachs hat als einziges Produkt der Palme größere wirtschaftliche Bedeutung erlangt. Zur Gewinnung des Wachses trocknet man die jungen, abgeschnittenen Blätter der Carnaubapalme. Während des Trocknens schrumpft das Blatt, und die Wachsschuppen lösen sich. Durch Klopfen oder Schaben fallen sie komplett ab. Die Ausbeute ist allerdings recht gering: Ein Blatt liefert zwei Gramm Wachs. Pro Jahr und Palme lassen sich 160 Gramm Wachs pro Baum gewinnen.
1824 wurde auf Initiative des Engländers James Frederick Clark die erste Ladung Wachs nach Europa verschifft. Bis zum Zweiten Weltkrieg spielte der Export von Carnaubawachs nach Europa für viele brasilianische Orte eine wichtige wirtschaftliche Rolle. Synthetische Ersatzstoffe verdrängten das Carnaubawachs und ließen diesen Exportbereich zusammenbrechen.