An den lateinischen Artnamen erinnert sich, wer je versucht, eine Schlehenhecke zu durchdringen: "spinosa" = stachelig. Der Name "Schlehe" altbulgarischen "sliva" und dem lateinischen "lividus" = bläulich verwandt. Der Begriff "Schlehe" würde demnach auf die blauen Früchte hindeuten. Das Synonym "Schwarzdorn" verweist hingegen auf die schwarze Rinde des älteren Schlehengehölzes.
Schon sehr früh hatte die Schlehe auch ihre Bedeutung für den Menschen. Schon in der neolithischen Pfahlbauzeit war sie bekannt. Beim Ausgraben dieser Siedlungen wurden Steine von Schlehen gefunden. Araber, Griechen, Römer und die Menschen des Mittelalters nutzten die Blüten und Früchte als Heil- bzw. Nahrungsmittel. Asclepiades und Andromachus zum Beispiel rühmten ein Roob, einen eingedickten Fruchtsaft, aus Schlehenfrüchten als wirksames Mittel gegen Ruhr. Das zähe Holz der anspruchslosen Schlehe wurde zudem früher in der Landwirtschaft verwendet. Die Rinde lieferte eine transparente, lackartige, licht- und wasserbeständige Tinte, die Früchte roten und die Rinde rotbraunen Farbstoff für Wolle und Leinen. Auch die alten Germanen wussten um die Schutzwirkung der Schlehe: Zusammen mit Weißdorn bildeten sie die ersten Gartenhecken, die Apfelbäume und Kräuter vor Wildfraß schützten. Vom indogermanischen Wort "gher" = fassen entwickelte sich übrigens "ghortos", das wörtlich mit "das Eingefasste, Eingefriedete, das Geschlossene" zu übersetzen ist. Der Zaun war es also, der dem Garten zu seinem Namen verhalf, der geflochtene Zaun oder die Schutzhecke, die an einer Hauswand entlang ein Stück Land umschloss. Auch zauberabwehrende und weissagerische Kräfte wurden der Schlehe mancherorts zugesprochen. In der Haupttrudennacht (St. Ottilie) legte man früher Schlehdornzweige in die Räucherpfanne, ebenso wurden sie in der Walpurgisnacht zusammen mit Wacholder und Rauten zur Räucherung eingesetzt. Bauern wussten gleich zwei Regeln aus der Schlehenblüte abzulesen:
"Ist die Schlehe weiß wie Schnee,
ist´s Zeit, dass man die Gerste säe".
"Je zeitiger im April die Schlehe blüht,
umso früher vor Jakobi die Ernte glüht."
Die Schlehe bietet einen reich gedeckten Tisch für eine Vielzahl von Tieren:
Die üppige Blüte ist eine willkommene Kost für früh im Jahr fliegende Insekten, zum Beispiel viele Wildbienen (Sandbienen, Kuckucksbienen und andere), Hummeln, Käfer und Fliegen. Die später treibenden Blätter werden besonders gerne von Schmetterlingsraupen gefressen, zum Beispiel vom Segelfalter, Nierenfleck, Zipfelfalter, dem gefährdeten kleinen Nachtpfauenauge und hauptsächlich von den gesellig lebenden Gespinstmotten, die seidene Zelte im Astwerk aufbauen und bisweilen so häufig vorkommen, dass ganze Schlehenbestände kahlgefressen werden. Die im Schlehengehölz nistenden Vögel wie Neuntöter und Goldammer leben hier geradezu im Schlaraffenland. Für Vögel und Mäuse, die im Winter auf Beerennahrung angewiesen sind, ist der sparrige Strauch unentbehrliche Speisekammer und Überlebensgarantie.
Noch heute werden aus den Schlehenfrüchten wärmende Getränke für eisige Winterabende gebraut: Erhitzter Schlehensirup lässt es drinnen gemütlich werden, wenn draußen der Schnee tobt. Aber auch Gelee und Marmelade sind eine vitaminhaltige Köstlichkeit.
In der Volksmedizin finden sich zum Teil zauberhaft wirkende Bräuche: In Tirol wird als Mittel gegen Gelbsucht eine Schlehe an die linke Brust gebunden. In vielen Landstrichen findet sich der Brauch, drei Blütenstängel des Schlehenstrauchs je dreimal hintereinander zu essen: So soll man sich vor Fieber und Gicht schützen können.